Hilferuf vom 12. Februar
Zomba, 12. Februar 2006
Liebe Freunde zu Hause,
dies ist kein Zomba Aktuell, wie ich es von Zeit zu Zeit verschicke, um über die Neuigkeiten in Zomba und unsere Projekte zu berichten. Dies ist ein Notruf.
Der Mais ist alle.
Auch die deutschen Medien haben seit Ende vergangenen Jahres über die heraufkommende Hungersnot in Malawi berichtet. Sie war für einen Tag Meldung Nummer Eins in Ihren Nachrichten. Dann kam das Erdbeben in Pakistan und stellte Malawi in den Schatten.
Für die Malawier begann der Hunger schleichend. Zuerst machte er sich bemerkbar im Anstieg des Preises für Maismehl, der zuletzt über dem Fünffachen des normalen Preises lag. Unerschwinglich vor allem für die ländliche Bevölkerung. Wir haben unsere Patienten immer wieder gefragt, wie viel Mahlzeiten sie am Tag zu sich nehmen. Fast alle hatten das Essen in ihren Familien auf einmal täglich reduziert. Dann ließen sie die noch viel teureren Beilagen weg: Tomaten, Fisch, Bohnen, um sich vom Ersparten noch einen Maisvorrat anzulegen. Alternativen gibt es nicht. Reis und Kasawa sind wesentlich teurer; Brot praktisch unerschwinglich. Es gibt keinen Ausweg.
Internationale Hilfslieferungen waren angekündigt. Wenn sie denn gekommen sind, dann waren sie ein Tropfen auf den heißen Stein. Regierung und Parlament debattieren, aber sie sind überfordert oder im ökonomischen Zangengriff der Weltbank.
Uns als Gäste in diesem Land quält am meisten, dass der Alltag einfach so weiter geht. Die Patienten im Zomba Hospital kommen wie eh und je; der Grossteil von ihnen ist gezeichnet von chronischer Krankheit. Aber nun beschleicht uns die Unsicherheit: Ist die Unterernährung Folge von AIDS oder ist es Hunger? Und das lässt nicht los.
Wir wollen und können so nicht weitermachen, wenngleich unsere Aufgaben im Krankenhaus liegen und ihre Bedeutung sich nicht relativiert hat. Wir können das nationale Problem auch nicht angehen und schon gar nicht lösen.
Aber vielleicht lässt sich etwas tun für die Menschen in unserem Umkreis; wenigstens für sie.
Wir haben den Plan, allen Kindern, die von der Kinderstation entlassen werden, einen 5 kg Sack Maismehl mitzugeben; und, wenn das Geld reicht, noch etwas Bohnen und Speiseöl, um eine ausgewogene Ernährung für ihre Familien zu ermöglichen. Wenigstens für ein bis zwei, vielleicht sogar vier Wochen. Ende April wird der Mais auf den Feldern reif sein. Und es sieht nach einer guten Ernte aus. Aber bis dahin sind es noch 11 Wochen.
Den Mais können wir von einem Importeur aus Tanzania kaufen; der Preis beläuft sich auf ungefähr 14.000�. Wenn wir Bohnen und Speiseöl dazu rechnen, kommen noch einmal etwa 5.000� dazu. Das ist eine stattliche Summe, ein ehrgeiziges Ziel.
Ich käme mir schuldig vor, Sie und Euch nicht um Eure Mithilfe zu bitten. Es ist ein zeitlich begrenztes Projekt ohne viel Risiken. Ihr Geld kommt 1:1 an.
Ich möchte mich im Voraus sehr herzlich bedanken.
Henning Mothes
Zomba Central Hospital
[HINWEIS: DAS PROJEKT IST ABGESCHLOSSEN - BITTE KEIN GELD MEHR ÜBERWEISEN].
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